Logo Kammeroper Köln

Die Fledermaus

Operette vom Johann Strauß

fledermausSehr oft wird die Operette ‚Die Fledermaus‘ einhellig als Gipfelpunkt der klassischen Operette verstanden, denn sie stellt quasi eine Zusammenfassung aller bis dahin in dieser Form gemachten Ausdrucksmittel dar. Sie bietet außer musikalischen Herausforderungen auch eine Fülle von Spielmöglichkeiten. Aufgrund einer brillant geschriebenen Situationskomik ist sie für eine Operette wunderbar unsentimental.

‚Die Fledermaus´ steigert das in jeder guten Operette vorhandene Spiel in geradezu unerhörtem Maße mit einer Hypothese der Differenz von Sein und Schein – sie beherrscht nicht nur die gesamte Handlung, sondern auch fast sämtliche Musiknummern. Ob im bürgerlichen Wohnzimmer, ob auf dem mondänen Ball oder im gesellschaftlich indiskutablen Gefängnis, immer machen sich die Figuren gegenseitig etwas vor  – und oft auch sich selbst.
Die Sucht nach Ablenkung und Ausbrechen aus dem Alltagstrott, die Lust auf Rausch und Ekstase bieten eine Fülle an verzwickten Spielmöglichkeiten.
Hier sind das eingespielte Ensemble und der Chor der Kammeroper Köln in ihrem Element und können in gewohnt leidenschaftlicher Art und Weise gepaart mit erheiternder Leichtigkeit überzeugen.

Kölner Stadtanzeiger, 02.12.2010

Zwischen Rausch und Katzenjammer

PREMIERE Die Kammeroper zeigt "Die Fledermaus" mit einem spielfreudigen Ensemble

VON MARIANNE KIERSPEL
Rodenkirchen. Gabriel von Eisenstein muss für acht Tage ins Gefängnis. Er verabschiedet sich tränenreich von Gattin Rosalinde (Ulrike Krone). Und geht im Frack. Denn heimlich besucht er ein Fest des dubiosen Russenprinzen Orlowsky. Dort will ihm Dr. Falke einen Streich heimzahlen, er konfrontiert Eisenstein (Rob Pitcher) mit seiner Frau und seiner Putzhilfe. Maskiert und unter falschen Namen genießen die Gäste das Fest als Befreiung vom öden Alltag. Da besäuft sich sogar der Gefängnisdirektor.
Für die Orgie im Zentrum der Operette "Die Fledermaus" schrieb Walzerkönig Johann Strauß die schönsten Couplets ("S´ ist mal bei mir so Sitte"), einen Czardas für Rosalinde als feurige Ungarin, Galopps und Walzer wie den Chor "Brüderlein und Schwesterlein". Eben das ganze Programm für eine Goldene Wiener Operette. Bei der Premiere in der Kammeroper lief die Klavierbegleitung zur Hochform auf. Inga Hilsberg (musikalische Leitung) hielt vom Flügel aus ihre jungen Sängerinnen und Sänger im Blick, sorgte für Sicherheit in putzmunteren Ensembles und Tänzen. Außerdem trug das Klavierspiel die ganze Komödie mit wechselnden Stimmungen zwischen Rausch und Katzenjammer. Bravo! Strauß´ Musik amüsiert, schmeichelt, putscht auf und versöhnt. An dieser Macht kann auch der junge Regisseur Lajos Wenzel nicht rütteln, obwohl er Tiefsinniges geplant hatte. Laut Begleittext soll ein zeitgemäß-ironischer Blick die traditionellen Fledermaus-Erwartungen unterlaufen. Das aber teilt sich auf der Bühne kaum mit. Das müde Spiel zu Beginn des Fests reicht nicht als frecher Stachel.

Kesse Koloratur
Eher schon verweisen hohe Gitter um das feuerrote Lotterbett auf seelische Gefängnisse. Sie aber sind schon bei Strauß kein Tabu. Bei den Solostimmen wechselt die Besetzung. Am Premierenabend genoss man besonders Dr. Falke (James Martin) und Orlowsky (Mareike Winkel). Und vor allem Lisa Maria Laccisaglia als Putzhilfe Adele, ein Wonneproppen mit klangvollem Sopran und kesser Koloratur. Adele will zum Theater, sie wird es schaffen.
Das junge Ensemble begeisterte mit einer frischen Spielweise. Tenor Alfred (Heinrich Schöfpleuthner) vergnügte als unerschütterlicher Liebhaber. Und Schauspieler Volker Hein füllte seine "Bombenrolle" als Gefängniswärter Frosch mit derberen Späßen plus Witzen über U-Bahn, Manager und die Kammeroper. Der Clou dieser witzig-verdrehten Operette: Hier endet das Befreiungsspiel im Gefängnis. Hinter Gittern, aber glücklich. Die Pointe zündet.
Weitere Vorstellungen in der Kammeroper (Friedrich-Ebert-Straße 4) am 11., 12. 26. und 30. Dezember jeweils um 19.30 Uhr. An Silvester unterhält "Die Fledermaus" um 15 und um 19 Uhr.
www.kammeroper-koeln.de

Dauer:
ca. 2 1/2 Stunden (inkl. Pause)
Altersempfehlung: 12 - 99 Jahre

Regie: Lajos Wenzel
Musikalische Leitung: Inga Hilsberg